Das Jahrhunderthochwasser im Mai 1978

Wer in der Bootshalle der Stuttgarter Rudergesellschaft die Bootslager genau studiert, kann sehen, dass die besten und neuesten Boote immer in den oberen Lagern zu finden sind. Das ist so seit Mai 1978, als der Bauchnabel das Maß aller Dinge war.
Bis zum Bauch stand damals das Wasser den Helfern in der Bootshalle als die untersten Boote bereits gegen die oberen Lager gedrückt waren und ein Jahrhunderthochwasser den Pegelstand des Neckars auf den höchsten Stand seit mehr als 150 Jahren klettern ließ. Der Neckar führte in der gefährlichsten Phase des Hochwassers das Zehnfache der üblichen Wassermenge und zwang die Stuttgarter Berufsfeuerwehr innerhalb weniger Tage zu mehr als 500 Wassereinsätzen, bei denen Dutzende von Kellern und Wohnräumen ausgepumpt werden mussten.
Hiobsbotschaften kamen aus allen Neckarstadtteilen. Bäume wurden unterspült und entwurzelt, Telefon-Erdkabel zerstört, ganze Uferbereiche einfach weggespült. Infolge der Überflutungen mussten das Mineralbad Leuze und das Inselbad für mehrere Tage geschlossen werden. Aber dennoch: Kurz vor der großen Katastrophe wendete sich das Blatt. „Stuttgart hat noch Glück gehabt“ schrieben die Zeitungen und der befürchtete Notstand musste nicht ausgerufen werden.

Zustand der Bootshalle beim Jahrhunderthochwasser 1978 (Foto: Berger)

Auch in der Rudergesellschaft trat nach dem Anfangsschock mehr und mehr Gelassenheit ein. Man krempelte die Arme hoch und half so gut es ging die Schäden zu beseitigen.
Die Wände mussten komplett renoviert werden, Isolierungen wurden erneuert und Wartungsarbeiten vorgezogen. Die Trainingsmannschaft strich die Decken und Fenster in den Umkleideräumen sowie die Wände und den Boden im Kraftraum. Mitglieder halfen mit Know-how und Beziehungen, Zuschussanträge und Versicherungsberichte wurden zügig bearbeitet und stießen auf viel Verständnis und Entgegenkommen bei den entsprechenden Stellen.

Der Bootsplatz beim Hochwasser 1978 (Foto: Berger)

Der damalige Vorsitzende und Ehrenvorsitzende im Jubiläumsjahr Walter Bruns konnte daher das Kapitel Hochwasser letztendlich so abschließen: Es zeigte sich, „dass in Zeiten der Not zahlreiche Mitglieder bereit sind, Schaden von unserem Verein abzuwenden“. Während des Hochwassers 1978 waren wir als Verein in unserem Element, und zwar nicht nur – mehr als uns lieb war – in unserem Element, dem Wasser, sondern in unserem Element als Solidargemeinschaft. Das wird uns für die Zukunft Kraft geben, wenn uns einmal das Wasser nicht nur bis zum Bauch, sondern bis zum Hals stehen sollte.

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