Reinfall

Was ist ein Krebs? Ein Krebs als Schalentier kann entsprechend zubereitet gut munden. Ein Spitzenkoch macht aus einem Krebs eine kulinarische Köstlichkeit. Unserem Spitzenkoch, Sebastian Koch, mochte sein Krebs überhaupt nicht munden. Denn: Ein Krebs im Rudern bedeutet das Hängenbleiben mit dem Ruderblatt im Wasser während der Fahrt. In den meisten Fällen – so auch am AG-Freitag – folgt nach dem Krebs ein Tauchgang, da dem Ruder im ungünstigen Winkel der gebeugten Arme das Ruder (genauer: das Skull) aus der Hand gerissen wird und dann …


….macht es „Platsch“. Das ist im Sommer eine tolle Sache. Im November empfinden wir es aber nicht so prickelnd. Nicht einmal Sebastian, der wirklich einiges ab kann. Aber hier wähnte er sich im falschen Film. Aber – so geht das jedem Ruderer mindestens einmal in seiner Karriere. Und viele sagen, daß man erst ein richtiger Ruderer ist, wenn man mal im Wasser gelandet ist. Wie kam es dazu?

sebastianSebastian (Foto) war einer der zwei Freiwilligen, die sich zur Testfahrt der modifizierten Schwimmerkonstruktion gemeldet hatten. Das Los in Form von Ausbilderin Claudia Meier bestimmte ihn als ersten Probanden. Ich begleitete im breiten Gig-Einer die ganze Unternehmung. Im Gegensatz zum vorigen Freitag wurde auf die Plattenkonstruktion verzichtet. Lediglich zwei 2 Liter Kunststoffflaschen neben der Dolle (das ist die drehbare Auflage für die Ruder) sollten eine gewisse Stabilität im „Krebsgang“ herstellen. Wir wissen nun: 2 Liter Plastikflaschen sind NICHT geeignet, ein Kentern zu vermeiden. Zusätzlich zur mangelnden Auftriebskraft der Plastikflaschen kam das typische Verhalten eines Novizen, sprich Ruderanfängers: Die stabile Seitenlage mag bei der Rettung von Verunglückten in Verkehr und Haushalt ein probates Mittel zur Besserung des Zustands sein. Im Rudern hingegen ist die Seitenlage alles andere als stabil. Durch den Krebs, also das Seitwärtsreißen des Skulls durch das Verkanten des Blattes, wird das Boot auf die Seite gedrückt, auf der der Krebs gefangen wurde. Der Ruderer versucht anfangs noch wortwörtlich „das Ruder rumzureißen“, doch leider ist der Hebel zu ungünstig, das Boot neigt sich weiter auf die verunglückte Seite und der Ruderer bekommt das Gefühl, daß hier nichts mehr zu retten ist. Dann läßt er die Griffe los – und das ist der Anfang vom Ende. Das Boot hat nun keinerlei Stützwirkung mehr vom Ruderblatt, da dieses vom Ruderer aufgegeben wurde und nur noch eine lose Verbindung zum Boot besitzt. Der am Ausleger befestigte Auftriebskörper von 2 Litern kann ebenfalls nicht mehr genug Stützwirkung bieten, da das Boot und somit der Ruderer noch mehr auf die verkrebste Seite kippt. Und dann ist es zu spät, dann heißt es: Wir beginnen mit den Schwimmübungen. So auch bei Sebastian – er bleibt am Boot, und ein paar Sekunden später habe ich das Heck meines breiten Gig-Einers an Sebastians Boot heranmanöveriert und Sebastian zieht sich auf das Deck des Einers. Ein paar Ruderschläge später waren wir wieder am Steg, Sebastian wurde zum Duschen geschickt und wir machten uns auf, das Boot zu bergen. Fazit: No risk – no fun! Es muß wohl noch eine dritte Konstruktion her. Mal sehen, was uns einfällt. Für den Rest der Ausbildungseinheit zogen wir noch ein paar Mannschaftsboote (ein Vierer und ein Zweier) aus den Lagern. Inzwischen geht das schnell und routiniert, so daß die Jungs noch drei Kilometer auf dem Neckar machen konnten, bevor die Dämmerung einsetzte.

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